Großem Einfluss Coronavirus auf Online-Handel in Holland

Wie in vielen anderen Ländern hat das Covid-19 oder Coronavirus große Auswirkungen auf den E-Commerce-Markt in den Niederlanden. Einige Segmente, wie Lebensmittel, Health & Beauty sowie (Haushalts-) Elektronik verzeichnen ein beispielloses Online-Umsatzwachstum, während andere, sowie Reisen, Mode, Schuhe und Veranstaltungstickets genau das Gegenteil erfahren. Laut einer Umfrage von ECommerce Europe erwarten in der EU 65% der Online-Händler ernsthafte Umsatzrückgänge. In den Niederlanden gibt es keinen vollständigen ‘Lockdown’. Einzelhändler dürfen selbst entscheiden, ob ihre Läden geöffnet bleiben oder nicht.

In Holland wachst der Lebensmitteleinzelhandel in der Covid-19-Krise sowohl in Geschäften als auch online enorm. In der 2. Märzwoche lag der Umsatz um +35% über dem Vorjahreswert, berichtete das Statistikbüro CBS. Damit wären die Verkäufe sogar höher als in der Woche vor Weihnachten, normalerweise der besten Woche im Jahr.

Außerdem erleben Online-Drogerien Tage, an denen der Umsatz zwischen +100% und +400% höher ist als an normalen Tagen. Besonders Körperpflegeprodukte, Schönheitsprodukte und Selbstpflegemittel (Paracetamol, Handgel, Thermometer) schneiden sehr gut ab.

Online-Händler in Haushalts- (Kühlschränke, Gefriergeräte) und Konsumentenelektronik (Bürogeräte, Computer, Tablets, Kabel, Home Entertainment) verzeichnen ebenfalls ansteigenden E-Commerce-Verkäufe in einem Ausmaß, in dem sie sich gezwungen sehen den Verkauf anderer Produktkategorien einzustellen, um in der Lage zu sein, die Nachfrage nach diesen Produkten zu bewältigen.

Weitere Produktsegmente, die sich in der Corona-Krise positiv entwickeln, sind Heimwerker- und Gartenprodukte, Sportartikel, Spielzeug, Spiele, Puzzles und Bücher.

Im Gegensatz dazu ist das Segment (Online-) Reisen vollständig zusammengebrochen, während die Verkäufe von Mode und Schuhen seit dem Ausbruch des Virus um -40 bis -60% zurückgegangen sein sollen.

Die hohe Nachfrage auf den Online-Märkten nach Lebensmitteln, Gesundheit und Schönheit sowie Elektronik führt zu Verzögerungen in den Lieferzeiten und demzufolge zu Beschwerden von Online-Käufern. Darüber hinaus führen notwendige Sicherheitsmaßnahmen in der Lieferkette (Lagerung, Pick & Pack, Paketzustellung, Rückgabe) zu weiteren Verlängerungen der Lieferzeiten.

Läden in den Niederlanden dürfen geöffnet bleiben, solange sie die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen treffen, um physischen Kontakt zu vermeiden. Viele Geschäfte haben jedoch geschlossen oder ihre Öffnungszeiten begrenzt.

Inzwischen tun der E-Commerce-Sektor in Holland und der Versandhandelsverband Thuiswinkel.org alles mögliche, um der außergewöhnlichen Situation zu meistern. Online-Händler teilen ihr Sortiment in kritische nicht kritische Segmente au fund priorisieren die Aufträge dementsprechend, um die Nachfrage bewältigen zu können. Außerdem verstärken (Online-) Einzelhändler die Nutzung von Social Media und Plattformen wie bol.com und Marktplaats als Vertriebskanäle.

Um Hochdruck in der Supply Chain wegzunehmen, hat Thuiswinkel.org seine Mitglieder aufgefordert, bis zum 1. Juni 2020 keinen Ausverkauf durchzuführen und die Rückgabefrist für Produkte von 14 auf 30 Tage zu verlängern. Auch empfehlen Sie On- und Offline-Einzelhändler, sich gegenseitig zu helfen, damit niederländische Online-Käufer ihre Einkäufe problemlos fortsetzen können.

Trotz alledem und der positiven Auswirkungen der Koronakrise auf bestimmte Online-Segmente ist die allgemeine Stimmung derzeit so, dass die negativen Auswirkungen auf den gesamten E-Commerce-Markt in Holland im Jahr 2020 erheblich sein werden. Angesichts der Tatsache, dass Reisen und Mode & Schuhe (einschließlich Personal lifestyle Produkte) im gesamten niederländischen E-Commerce-Markt (Umfang € 25,8 Mrd. in 2019), mit Umsätzen von € 6,2 Mrd. (25% des Gesamtmarktes) bzw. € 2,9 Mrd. (11% des Gesamtmarktes) die Plätze 1 und 2 einnehmen, ist das keine Überraschung.

Die am 19. März 2020 von Ecommerce Europe veröffentlichte Umfrage bestätigt dieses Bild. Online-Händler in ganz Europa erwarten im laufenden Jahr geringere Umsätze (65%), Ergebnisrückgänge (70%), Personalabbau (65%), Finanzierungsprobleme (60%) und Lieferverzögerungen und Nachschubstörungen (55%). Eine Minderheit von 35% erwartet eine Umsatzsteigerung, da mehr Produkte online gekauft werden als zuvor.

Bisher gibt es keine Informationen zu den ersten Wochen von Amazon auf dem Online-Markt in Holland (lesen Sie meinen Blogpost vom 6. Februar 2020).

 Für weitere Informationen zu diesem Thema oder Beratung zum grenzüberschreitenden (Cross-border) Online Handel mit den Niederlanden wenden Sie sich bitte an Ed Hensen unter hensen@ecommerceinholland.com oder +31 6 22 55 55 46.


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